Leserbrief, 11. Mai 2020

Offener Brief an Minister Gernot Blümel Sehr geehrter Herr Minister Blümel, erlauben Sie mir folgende Vergleiche zu ziehen: * Wenn ein Arzt, eine Ärztin wiederholt falsche Diagnosen stellt und entsprechend Patienten falsch behandelt, wird eine verantwortliche Ärztekammer, oder ein angerufenes Gericht diese Personen zur Verantwortung ziehen, sicher aber nicht finanziell belohnen. * Wenn führende Mitarbeiter eines Unternehmens ihren Kunden gegenüber in unangebrachter Weise kommunizieren, oder diesen gar bewußt falsche Informationen geben, so wird die Firmenleitung diese, nach entsprechender Abmahnung, kündigen, sicher aber nicht eine Gehaltserhöhung gewähren. * Wenn ein Sportler, eine Sportlerin, egal in welcher Sparte, permanent schlechte Leistungen erbringt und auch als Vorbild für die Jugend krass versagt, werden weder Trainer noch Vereinsleitung dies durch Sonderprämien belohnen. Ich könnte Beispiele aus nahezu allen Branchen anführen, aber eine Branche muss ich offensichtlich ausnehmen, nämlich die Medienbranche. Nicht nur dass die Boulevardmedien „Kronen-Zeitung“, „heute“ und „Österreich“ immer wieder vom Presserat gerügt werden, werden sie auch noch von Ihnen, als zuständiger Medienminister, mit einem größeren Geldregen als Qualitätsmedien „belohnt“. Das verstehe wer will! Wer sich nur ein wenig mit der Materie beschäftigt, weiß schon, dass „dahinter“ - offen ausgesprochen - redaktionelle Gegenleistungen angeboten und entsprechend erwartet werden. Aber welch Trugschluss! Bleibt der dann wiederholt geforderte Geldregen aus, ist es mit dem gekauften „Wohlwollen“ schnell vorbei! Ein Experten-Team sollte Ihnen den Vorschlag machen unter welchen Kriterien die Medien in einem spezifischen Fall wie in der aktuellen Corona-Krise, oder aber generell als Presseförderung zu staatlichen Mitteln Zugang bekommen sollten. Eine Heranziehung von ausschließlich Auflagenzahlen ist definitiv nicht der richtige Weg. Hans Csokor, 1020 Wien 38 Jahre im Internationalen Medienbereich tätig gewesen